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Wie saunieren die Finnen? Regeln, Löyly, Vihta und die Unterschiede zu Deutschland

In Finnland gehört die Sauna zum Alltag und ist seit 2020 Unesco-Kulturerbe. Hier liest du, welche Regeln dort gelten und was anders ist als in Deutschland.

In diesem Beitrag

Finnland gilt als Mutterland der Sauna. Wer dort zum ersten Mal sauniert, merkt schnell: Vieles läuft anders als in einer deutschen Saunalandschaft. Hier liest du, welche Regeln in Finnland gelten, was hinter Löyly und Vihta steckt und worin sich finnisches und deutsches Saunieren unterscheiden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Sauna gehört in Finnland zum Alltag
  2. Löyly: der Geist der Sauna
  3. Jeder darf Wasser auf die Steine geben
  4. Vihta und Vasta: der Birkenquast
  5. Abkühlen im See, im Meer oder im Schnee
  6. Nackt, Badeanzug oder Handtuch
  7. Die wichtigsten Unterschiede zu Deutschland

1. Sauna gehört in Finnland zum Alltag

Laut Unesco gibt es in Finnland rund 3,3 Millionen Saunen bei 5,5 Millionen Einwohnern. Im Jahr 2020 wurde die finnische Saunakultur in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In der Beschreibung heißt es, die Sauna sei mehr als ein Ort zum Waschen: Man reinigt Körper und Geist und findet innere Ruhe. Weitergegeben wird das Wissen vor allem in den Familien, aber auch in Saunavereinen. Der bekannteste ist die Finnische Saunagesellschaft Suomen Saunaseura, gegründet 1937. Sie betreibt seit 1952 ein Saunahaus in Vaskiniemi auf der Helsinkier Insel Lauttasaari und hat rund 4.400 Mitglieder. Öffentliche Saunen in den Städten waren nach den 1950er Jahren laut Unesco fast verschwunden. In den letzten Jahren sind durch private Initiativen viele neue entstanden.

2. Löyly: der Geist der Sauna

Löyly ist das finnische Wort für den Dampf, der entsteht, wenn Wasser auf die heißen Steine trifft. Die Unesco beschreibt Löyly als den Geist der Sauna, der beim Aufguss freigesetzt wird. Es geht dabei weniger um eine Show als um das eigene Empfinden. Die Finnische Saunagesellschaft empfiehlt laut dem offiziellen Finnland-Portal Temperaturen zwischen 80 und 100 °C, manche mögen es mit etwa 70 °C milder. Einen Wettbewerb, wer die meiste Hitze aushält, bezeichnet das Portal als albern und ungesund. Neben der elektrischen Sauna sind in Finnland Holzsaunen, Rauchsaunen und Infrarotkabinen verbreitet. Laut Unesco gilt keine dieser Formen als die einzig richtige. Wie Löyly die Luftfeuchtigkeit verändert, liest du in Luftfeuchtigkeit in der Sauna.

3. Jeder darf Wasser auf die Steine geben

Ein großer Unterschied zu Deutschland: In Finnland gibt es meist keinen Saunameister mit festen Aufgusszeiten. Laut der Tourismusorganisation von Jyväskylä gießt in der Regel, wer am nächsten am Kübel sitzt, und nicht automatisch die älteste oder erfahrenste Person. Höflich ist es, vorher in die Runde zu fragen. Das empfiehlt auch die Stadt Helsinki in ihren Sauna-Tipps. Manche öffentlichen Saunen haben zwei Kabinen, eine mildere und eine heißere, sodass jede und jeder wählen kann. Ist es oben zu heiß, rutschst du eine Bank tiefer. Ein Gang dauert typischerweise 10 bis 15 Minuten, danach wird abgekühlt und wiederholt. Die meisten Finnen gehen laut Finnland-Portal mindestens zweimal in die Kabine.

4. Vihta und Vasta: der Birkenquast

Die Vihta ist ein Bündel aus belaubten Birkenzweigen. Im Westen Finnlands sagt man traditionell Vihta, im Osten Vasta, gemeint ist dasselbe. Laut Finnland-Portal wird sie vor allem im Sommer genutzt: Man taucht sie in Wasser und klopft damit sanft über den Körper. Viele genießen dabei den frischen Birkenduft. Die Finnische Saunagesellschaft hat eigene Qualitätsrichtlinien: Die Zweige stammen von der Hängebirke, gebunden wird mit einer einjährigen Weide. Zwischen den Gängen liegt die Vihta in einem Gefäß mit fast kaltem Wasser, nie auf den heißen Steinen oder der heißen Bank. Getrocknete Quaste weicht man vor dem Gebrauch etwa 1,5 bis 2 Stunden in warmem Wasser ein, eingefrorene taut man ähnlich lange bei Raumtemperatur auf. Mehr dazu liest du in Birke in der Sauna.

5. Abkühlen im See, im Meer oder im Schnee

Viele öffentliche Saunen in Finnland liegen direkt am Wasser. Nach dem Gang geht es in den See oder ins Meer, im Winter manchmal durch ein Loch im Eis. Andere wälzen sich im Schnee. Das Finnland-Portal rät dabei zu frischem, pulvrigem Schnee, weil alter, vereister Schnee die Haut reizen kann. Viele ausländische Gäste nehmen einfach eine kalte Dusche, auch das ist völlig in Ordnung. Wichtig: Menschen mit Herzproblemen oder Bluthochdruck sollten laut dem Portal auf das Eintauchen in kaltes Wasser verzichten und das vorher ärztlich abklären. Eine Übersicht in Mayo Clinic Proceedings weist darauf hin, dass schnelles Abkühlen in kaltem Wasser bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen Rhythmusstörungen auslösen kann, und berichtet von Todesfällen nach einem Sprung ins kalte Wasser direkt nach der Sauna. Geh also langsam rein. Mehr in Sicherheit beim Eisbaden.

6. Nackt, Badeanzug oder Handtuch

Traditionell sauniert man in Finnland nackt, aber nach Geschlechtern getrennt. Gemeinsam in die Kabine gehen vor allem Familie und sehr gute Freunde. In Schwimmbädern und Spas gibt es getrennte Saunen, in denen Badekleidung laut der Stadt Helsinki sogar verboten ist. In gemischten öffentlichen Saunen ist es dagegen üblich, einen Badeanzug zu tragen oder ein Handtuch umzuwickeln. Auf der Bank sitzt man auf einem kleinen Tuch oder einer Sitzauflage, in Finnland Pefletti genannt. Vor dem Gang wird geduscht, mit Seife gewaschen wird meist am Ende. Anziehen solltest du dich laut Finnland-Portal erst, wenn du nicht mehr nachschwitzt. Handy und Essen bleiben draußen, ruhige Gespräche sind erlaubt.

7. Die wichtigsten Unterschiede zu Deutschland

Bei der Temperatur gibt es wenig Unterschied, auch in Deutschland liegt die klassische finnische Sauna bei 80 bis 100 °C. Die Unterschiede liegen im Ablauf:

  • Aufguss: In Deutschland gießt meist ein Saunameister zu festen Zeiten und verteilt den Dampf mit dem Handtuch. In Finnland gießt, wer am Kübel sitzt, wann es passt.
  • Textil: Die meisten deutschen Saunen sind textilfrei. Der Deutsche Sauna-Bund bevorzugt Nacktheit und beruft sich dabei auf die finnische Tradition. In Finnland sind gemischte Saunen eher die mit Badekleidung.
  • Abkühlen: In Deutschland Kaltdusche, Schwallbrause und Tauchbecken, in Finnland oft See oder Meer.
  • Stimmung: Ein Beitrag des Goethe-Instituts beschreibt die deutsche Saunakultur als stärker geregelt, mit Aufgussplänen und festen Regeln. In Finnland ist die Sauna eher Alltag.

Wie es in deutschen Saunen mit Kleidung aussieht, liest du in Nackt in die Sauna?

Häufige Fragen

Gehen Finnen nackt in die Sauna?

Ja, traditionell schon, aber in nach Geschlechtern getrennten Saunen oder im Kreis der Familie. In gemischten öffentlichen Saunen tragen viele Badekleidung oder ein Handtuch.

Wie heiß ist eine finnische Sauna?

Die Finnische Saunagesellschaft empfiehlt 80 bis 100 °C. Manche mögen es mit rund 70 °C milder. Entscheidend ist, dass es sich für dich gut anfühlt.

Was bedeutet Löyly?

Löyly ist der Dampf, der entsteht, wenn Wasser auf die heißen Saunasteine trifft. Die Unesco beschreibt ihn zugleich als Geist der Sauna, er steht also für mehr als nur Wasserdampf.

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