Sauna und Demenz werden seit einer finnischen Studie von 2017 oft in einem Atemzug genannt: Männer, die vier bis sieben Mal pro Woche in die Sauna gingen, erkrankten dort seltener an Demenz und Alzheimer. Das klingt nach einer einfachen Botschaft, ist aber komplizierter. Hier erfährst du, was die Studien tatsächlich gemessen haben, welche Erklärungen Forschende diskutieren und warum daraus kein Schutz vor Demenz abgeleitet werden kann.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Kuopio-Studie: 2.315 Männer, 20 Jahre
- Die zweite Studie: fast 14.000 Frauen und Männer
- Welche Erklärungen diskutiert werden
- Die Grenzen der Daten
- Was nachweislich mit dem Demenzrisiko zusammenhängt
- Was das für deinen Saunaalltag bedeutet
1. Die Kuopio-Studie: 2.315 Männer, 20 Jahre
Die bekannteste Untersuchung stammt von Tanjaniina Laukkanen, Setor Kunutsor, Jussi Kauhanen und Jari Laukkanen. Sie erschien online im Dezember 2016 und 2017 in der Fachzeitschrift Age and Ageing. Grundlage war die Kuopio Ischaemic Heart Disease Study (KIHD) aus Ostfinnland.
- Teilnehmer: 2.315 gesunde Männer zwischen 42 und 60 Jahren, untersucht zwischen 1984 und 1989
- Saunahäufigkeit: einmal, zwei bis dreimal oder vier bis siebenmal pro Woche, per Fragebogen erfasst
- Beobachtungszeit: im Mittel 20,7 Jahre
- Erkrankungen: 204 Fälle von Demenz, davon 123 Alzheimer
Das Ergebnis: Männer mit vier bis sieben Saunagängen pro Woche hatten im Vergleich zu Männern mit einem Saunagang ein um 66 Prozent geringeres Demenzrisiko und ein um 65 Prozent geringeres Alzheimerrisiko. Bei zwei bis drei Saunagängen war das Risiko etwa 20 Prozent geringer, dieser Unterschied war statistisch aber nicht sicher. Die Forschenden hatten Alter, Alkohol, Body-Mass-Index, Blutdruck, Rauchen, Typ-2-Diabetes, frühere Herzinfarkte, Ruhepuls und LDL-Cholesterin herausgerechnet.
Wichtig für die Einordnung: Die Gruppe mit vier bis sieben Saunagängen war klein, das zeigt sich an den breiten Unsicherheitsbereichen der Ergebnisse. Und es gab keine Vergleichsgruppe ohne Sauna, denn in Ostfinnland saunieren fast alle.
2. Die zweite Studie: fast 14.000 Frauen und Männer
2020 veröffentlichten Paul Knekt und Kollegen eine größere Auswertung in Preventive Medicine Reports. Ihr Titel ist bewusst als Frage formuliert: Schützt Saunabaden vor Demenz?
- Teilnehmende: 13.994 Frauen und Männer zwischen 30 und 69 Jahren ohne Demenz zu Beginn, aus dem Finnish Mobile Clinic Follow-up Survey
- Beobachtungszeit: bis zu 39 Jahre
- Erkrankungen: 1.805 Demenzdiagnosen
Wer 9 bis 12 Mal im Monat in die Sauna ging, hatte in den ersten 20 Jahren ein etwa halb so hohes Demenzrisiko wie Menschen mit weniger als vier Saunabesuchen im Monat. Über die gesamte Beobachtungszeit betrachtet schrumpfte der Unterschied auf etwa 19 Prozent. Laut einer Zusammenfassung der Alzheimer's Drug Discovery Foundation zeigte die häufigste Gruppe mit 13 bis 30 Saunabesuchen im Monat keinen Vorteil. Am günstigsten schnitten demnach Gänge von 5 bis 14 Minuten bei 80 bis 99 °C ab, Temperaturen über 100 °C waren mit einem höheren Risiko verbunden.
Die Autoren schreiben selbst, dass weitere Studien nötig sind, um die vermuteten Vorteile zu bestätigen.
3. Welche Erklärungen diskutiert werden
Warum könnte es einen Zusammenhang geben? Sicher weiß man es nicht. In einer Übersichtsarbeit in Mayo Clinic Proceedings (2018) nennen Laukkanen und Kollegen vor allem Wege über Herz und Gefäße:
- Blutdruck: In Studien sank der Blutdruck nach einem Saunagang kurzfristig, und häufige Saunagänger entwickelten in der KIHD-Kohorte seltener Bluthochdruck. Bluthochdruck gilt als Risikofaktor für Demenz.
- Gefäßfunktion: Regelmäßige Wärme könnte die Funktion der Gefäßinnenwand und die Elastizität der Arterien verbessern.
- Entzündung: In der KIHD-Kohorte hatten häufige Saunagänger niedrigere Entzündungswerte im Blut, etwa CRP.
- Entspannung: Die Autoren halten es ausdrücklich für möglich, dass die Sauna einfach eine angenehme, entspannende Gewohnheit ist, und ihr Zusammenhang mit dem Gedächtnis darüber zustande kommt.
Darüber hinaus wird in der Forschung über Hitzeschockproteine und andere zelluläre Reaktionen auf Wärme spekuliert. Belege beim Menschen, dass diese das Gehirn vor Demenz schützen, gibt es bisher nicht.
4. Die Grenzen der Daten
Beide Studien sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen, dass zwei Dinge gemeinsam auftreten, aber nicht, dass das eine das andere verursacht. Diese Punkte sind beim Lesen wichtig:
- Umgekehrte Ursache: Wer gesünder und mobiler ist, geht eher oft in die Sauna. Frühe, noch unerkannte Erkrankungen können umgekehrt dazu führen, dass Menschen seltener saunieren.
- Nicht erfasste Einflüsse: Häufiges Saunieren kann mit Einkommen, sozialen Kontakten, Bewegung oder einem eigenen Haus mit Sauna zusammenhängen. Nicht alles lässt sich herausrechnen.
- Nur Finnland: In Finnland ist die Sauna von Kindheit an Alltag. Ob die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind, die erst später damit anfangen, ist offen.
- Einmalige Befragung: Die Saunagewohnheiten wurden zu Beginn erfasst. Ob sie sich über Jahrzehnte verändert haben, ist unklar.
- Keine Experimente: Es gibt keine randomisierte Studie, in der Menschen per Zufall mehr oder weniger sauniert haben und deren Gedächtnis danach untersucht wurde.
Ehrlich zusammengefasst: Die Ergebnisse sind interessant und passen zu den Herz-Kreislauf-Daten aus denselben Kohorten. Sie reichen aber nicht, um zu sagen, dass Sauna vor Demenz schützt oder Alzheimer vorbeugt.
5. Was nachweislich mit dem Demenzrisiko zusammenhängt
Die Lancet-Kommission zu Demenz um Professorin Gill Livingston hat 2024 vierzehn beeinflussbare Risikofaktoren beschrieben. Zusammen könnten sie nach ihrer Schätzung mit etwa 45 Prozent der Demenzfälle zusammenhängen. Dazu gehören unter anderem:
- Bluthochdruck, Diabetes, hohes LDL-Cholesterin und Übergewicht
- Bewegungsmangel, Rauchen und viel Alkohol
- unbehandelter Hörverlust und Sehverlust
- Depression und soziale Isolation
- geringe Bildung, Kopfverletzungen und Luftverschmutzung
Die Sauna steht nicht auf dieser Liste. Interessant ist aber, dass einige der Faktoren, etwa Blutdruck und soziale Kontakte, mit dem Saunabaden zusammenhängen könnten. Die Sauna ersetzt jedoch weder Bewegung noch eine ärztliche Behandlung von Bluthochdruck oder Hörverlust.
6. Was das für deinen Saunaalltag bedeutet
Wenn du gern saunierst, spricht aus den Studien nichts dagegen, dabei zu bleiben. Die Teilnehmenden saunierten typischerweise in der finnischen Sauna mit 80 bis 100 °C, ein Gang dauerte meist 5 bis 20 Minuten. Mehr zur passenden Häufigkeit liest du in unserem Ratgeber Wie oft in die Sauna?
Gerade im höheren Alter gilt: Gesundheit vor Häufigkeit. Wer Herz-Kreislauf-Probleme hat oder Medikamente nimmt, klärt das vorher ärztlich ab. Praktische Hinweise findest du in Sauna im Alter: 9 Tipps für Saunagänger ab 60. Wenn du Gedächtnisprobleme bei dir oder einem Angehörigen bemerkst, ist die Hausarztpraxis die richtige erste Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Schützt Sauna vor Demenz?
Das ist nicht belegt. Zwei finnische Beobachtungsstudien fanden bei häufigem Saunieren seltener Demenz, sie können aber nicht zeigen, dass die Sauna die Ursache ist. Randomisierte Studien dazu gibt es nicht.
Wie oft gingen die Teilnehmenden der Studie in die Sauna?
In der Kuopio-Studie mit 2.315 Männern hatte die Gruppe mit vier bis sieben Saunagängen pro Woche das geringste Demenzrisiko. In der größeren Studie mit fast 14.000 Personen schnitten Menschen mit 9 bis 12 Saunabesuchen im Monat am besten ab.
Hilft Sauna bei Alzheimer?
Dafür gibt es keine Belege. Die Studien haben gesunde Menschen über Jahrzehnte beobachtet und nicht untersucht, wie sich die Sauna bei bereits bestehender Alzheimer-Erkrankung auswirkt.
Warum könnte Sauna gut für das Gehirn sein?
Diskutiert werden vor allem Effekte auf Blutdruck, Gefäße und Entzündungswerte, die mit dem Demenzrisiko zusammenhängen. Ebenso möglich ist, dass Saunagänger insgesamt gesünder, entspannter und sozial aktiver leben.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du Gedächtnisprobleme bemerkst oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leidest, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du dein Saunaverhalten änderst.
Für die Ruhephase nach dem Saunagang ist unser Wellnesskissen ein bequemer Begleiter. Was die Kuopio-Daten zum Herzen zeigen, liest du in unserem Ratgeber zur finnischen Sauna-Studie.
