Hausmittel bei Erkältung sind beliebt, doch nicht jedes hält, was es verspricht. Ein Schnupfen heilt bei gesunden Erwachsenen meist von selbst nach einer bis zwei Wochen ab, Hausmittel können die Zeit nur angenehmer machen. Hier liest du, was Studien zu Dampf, Tee, Honig, Nasenspülung und warmem Fußbad sagen und wann du besser ärztlichen Rat holst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Erkältung, was tun? Ruhe zuerst
- Trinken: genug, aber nicht übertreiben
- Dampfinhalation bei Erkältung: was die Studien zeigen
- Honig bei Husten
- Nasenspülung mit Salzwasser
- Warmes Fußbad bei Erkältung: Wärme und Kälte an den Füßen
- Menthol und ätherische Öle: Gefühl statt Wirkung, Vorsicht bei Kindern
- Wann du zum Arzt solltest
1. Erkältung, was tun? Ruhe zuerst
Gegen die Viren selbst gibt es kein Mittel, auch Antibiotika wirken bei einer normalen Erkältung nicht. Laut Apotheken Umschau bessern sich die Beschwerden ohne Komplikationen meist nach drei bis sieben Tagen, nach zwei Wochen sind sie in der Regel verschwunden. Müdigkeit kann länger anhalten.
Das wirksamste Hausmittel ist deshalb unspektakulär: Schlaf, wenig Termine, kein Sport mit Fieber. Ein warmer Schal und ein ruhiger Abend auf dem Sofa sind keine Schwäche, sondern genau das, was der Körper jetzt braucht.
2. Trinken: genug, aber nicht übertreiben
Viel trinken gilt als Klassiker. Ein Cochrane Review von Guppy und Kollegen (2011) hat jedoch keine einzige randomisierte Studie gefunden, die prüft, ob zusätzliches Trinken bei Atemwegsinfekten hilft. Die Autoren weisen sogar darauf hin, dass sehr große Mengen bei Infekten der unteren Atemwege den Natriumspiegel im Blut verdünnen könnten.
Praktisch heißt das: Trink nach Durst und so, dass der Urin hell bleibt. Warmer Tee ist dafür ideal, weil er den Hals angenehm wärmt und den Rachen feucht hält. Wer eine Herz- oder Nierenerkrankung hat, bespricht die Trinkmenge mit der Ärztin oder dem Arzt.
3. Dampfinhalation bei Erkältung: was die Studien zeigen
Das Inhalieren über einer Schüssel heißem Wasser fühlt sich für viele befreiend an. Die Studienlage ist allerdings dünn. Ein Cochrane Review von Singh und Kollegen (2017) zu erwärmter, befeuchteter Luft bei Erkältung fand nur wenige kleine Studien. Ob sich die Beschwerden verbessern, blieb unsicher, die Qualität der Evidenz wurde als niedrig bewertet. Nebenwirkungen wie Reizungen traten in der Dampfgruppe häufiger auf.
Dazu kommt ein echtes Risiko: Eine Auswertung aus niederländischen Verbrennungszentren (Baartmans und Kollegen, British Journal of General Practice, 2012) zeigte, dass jedes Jahr Menschen mit schweren Verbrühungen durch Dampfinhalation behandelt werden mussten, die meisten davon Kinder. Wenn du inhalieren möchtest:
- Nur Erwachsene und ältere Kinder unter Aufsicht, Kinder nie über einem Kochtopf.
- Die Schüssel steht stabil auf dem Tisch, nicht auf dem Schoß.
- Wasser nicht kochend verwenden, sondern kurz abkühlen lassen, Gesicht mit Abstand halten, 5 bis 10 Minuten reichen.
4. Honig bei Husten
Für Honig gibt es vergleichsweise gute Daten, allerdings bei Kindern. Ein Cochrane Review von Oduwole und Kollegen (2018) mit sechs Studien und 899 Kindern im Alter von 1 bis 18 Jahren kommt zu dem Schluss, dass Honig Husten wahrscheinlich etwas besser lindert als kein Mittel oder ein Placebo. Die meisten Kinder bekamen Honig nur an einem Abend, deshalb sind die Ergebnisse begrenzt.
Wichtig: Kinder unter einem Jahr dürfen keinen Honig bekommen, weil er Sporen enthalten kann, die bei Säuglingen Botulismus auslösen. Für ältere Kinder und Erwachsene ist ein Teelöffel Honig pur oder in lauwarmem Tee vor dem Schlafen eine einfache Option.
5. Nasenspülung mit Salzwasser
Eine Nasendusche mit isotonischer Kochsalzlösung spült Sekret aus. Ein Cochrane Review von King und Kollegen (2015) mit fünf Studien und 749 Teilnehmenden sieht einen möglichen Nutzen, die meisten Studien waren aber klein und fehleranfällig. In einer größeren Studie mit Kindern zwischen 6 und 10 Jahren gingen Sekret und verstopfte Nase etwas zurück. Als Nebenwirkung wurde nur leichtes Brennen genannt.
Nutze fertige Salzlösungen aus der Apotheke oder abgekochtes, abgekühltes Wasser mit der passenden Salzmenge. Leitungswasser direkt aus dem Hahn ist für Nasenspülungen nicht geeignet.
6. Warmes Fußbad bei Erkältung: Wärme und Kälte an den Füßen
Die Idee, dass kalte Füße eine Erkältung begünstigen, hat eine kleine Studie im Hintergrund. Johnson und Eccles (Family Practice, 2005) ließen 90 Menschen ihre Füße 20 Minuten in kaltes Wasser stellen, 90 weitere saßen mit den Füßen in einer leeren Schüssel. In den folgenden vier bis fünf Tagen meldeten 13 aus der gekühlten Gruppe Erkältungssymptome, in der Kontrollgruppe waren es 5. Die Symptome wurden nur abgefragt, nicht im Labor bestätigt, und die Autoren fordern weitere Forschung.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass ein warmes Fußbad eine Erkältung verhindert oder verkürzt. Was bleibt: Warme Füße fühlen sich gut an, und ein Fußbad bei 37 bis 38 °C für etwa 10 Minuten, danach warme Socken, macht einen kalten Winterabend gemütlicher. Bei Fieber, Venenleiden oder Diabetes verzichtest du lieber darauf oder fragst vorher nach.
7. Menthol und ätherische Öle: Gefühl statt Wirkung, Vorsicht bei Kindern
Menthol, etwa aus Pfefferminzöl, lässt die Nase freier wirken. Eine Studie im Journal of Laryngology and Otology (1983) mit 37 Personen zeigte, dass Mentholdampf den messbaren Luftwiderstand in der Nase nicht konsistent veränderte. Die meisten empfanden trotzdem einen freieren Luftstrom und Kühle. Menthol spricht also Kälterezeptoren an, es schwellt die Schleimhaut nicht ab.
Bei Kindern ist Vorsicht wichtig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass schon wenige Tropfen ätherischer Öle in Mund oder Nase bei Säuglingen und Kleinkindern einen Krampf des Kehlkopfs bis zum Atemstillstand auslösen können. Fachquellen nennen Eukalyptus, Pfefferminze (Menthol), Kampfer und Thymian bei Kindern unter zwei Jahren als ungeeignet, bei Kindern unter drei Jahren rät das BfR zu besonderer Vorsicht, und bei Pfefferminzöl-Lösungen rät die Packungsbeilage auch für Kinder unter sechs Jahren in der Regel von der Anwendung ab. Für die Praxis:
- Keine ätherischen Öle im Gesicht oder in der Nähe der Nase von Babys und Kleinkindern.
- Nur Präparate verwenden, die ausdrücklich für das Alter des Kindes zugelassen sind, und die Packungsbeilage beachten.
- Öle immer außer Reichweite von Kindern aufbewahren.
- Auch bei Asthma oder Pseudokrupp keine ätherischen Öle ohne ärztliche Rücksprache.
8. Wann du zum Arzt solltest
Eine normale Erkältung bei gesunden Erwachsenen braucht meist keinen Arztbesuch. Die Apotheken Umschau und aponet nennen aber klare Warnzeichen:
- Fieber über 40 °C bei Erwachsenen, bei Kindern Fieber über 39 °C oder länger als drei Tage
- Atemnot, pfeifende oder rasselnde Atmung
- Starke Hals- oder Ohrenschmerzen, Schmerzen im Gesicht beim Bücken
- Keine Besserung nach sieben Tagen, Husten länger als zwei Wochen
- Säuglinge mit Fieber oder Kinder, die schlapp und teilnahmslos wirken
Ob du mit einer Erkältung in die Sauna gehen kannst, erklärt unser Ratgeber Sauna bei Erkältung.
Häufige Fragen
Welche Hausmittel bei Erkältung sind wissenschaftlich belegt?
Am besten untersucht ist Honig gegen Husten bei Kindern ab einem Jahr. Für Nasenspülungen mit Salzlösung gibt es Hinweise auf einen kleinen Nutzen. Für Dampfinhalation und vermehrtes Trinken ist die Studienlage dünn.
Hilft Dampfinhalation bei Erkältung?
Viele empfinden warmen Dampf als angenehm, ein Cochrane Review fand aber keinen sicheren Nutzen. Wegen der Verbrühungsgefahr sollten Kinder nie über einem Topf mit heißem Wasser inhalieren.
Hilft ein warmes Fußbad gegen Erkältung?
Dafür gibt es keine Belege. Eine kleine Studie deutet nur darauf hin, dass stark gekühlte Füße mit mehr Erkältungssymptomen einhergehen können. Ein warmes Fußbad ist vor allem eine gemütliche Wohltat am Abend.
Ab wann dürfen Kinder ätherische Öle bekommen?
Säuglinge und Kleinkinder sollten keine ätherischen Öle im Gesicht oder in der Nähe der Nase bekommen, vor allem keine Pfefferminze, kein Eukalyptus und keinen Kampfer. Halte dich an die Altersangabe auf der Packung und frag in der Apotheke oder beim Kinderarzt nach.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei hohem Fieber, Atemnot, starken Schmerzen, anhaltenden Beschwerden sowie bei Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren und Menschen mit Vorerkrankungen hol dir ärztlichen Rat. Ätherische Öle gehören nicht in die Nähe von Babys und Kleinkindern.
Wenn du gesund bist und dir einfach einen gemütlichen Winterabend machen möchtest, ist das Wellness Set Durchatmen mit Fußbadesalz, Raumspray, Minzöl und Kräutertee eine schöne Ergänzung. Es ist ein Wohlfühlset für kalte Tage und kein Mittel gegen Erkältung. Mehr zur Rolle von Wärme für die Atemwege liest du im Ratgeber Sauna und Atemwege.
