Wer einmal einen richtig guten Aufguss erlebt hat, fragt sich irgendwann: Könnte ich das auch? Aufgussmeister sorgen dafür, dass Duft, Hitze und Ruhe in der Kabine zusammenpassen, und das ist mehr Handwerk, als es von der Bank aus aussieht. Hier liest du, was zu der Aufgabe gehört, welche Formen es gibt und wie du Aufgussmeister wirst, vom ersten Wedeln bis zum Lehrgang.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ein Aufgussmeister macht
- Den Aufguss planen: Duft, Ablauf, Hitze
- Wedeltechniken: das Handwerk
- Sicherheit und Gäste lesen
- Klassisch, Event oder Wettkampf
- Wie du es lernst: Kurse und Lehrgänge
- Üben in der Heimsauna
1. Was ein Aufgussmeister macht
Ein Aufgussmeister gestaltet den Aufguss in der Sauna. Er wählt die Düfte, gießt das Wasser auf die heißen Steine und verteilt die Hitze mit einem Tuch oder Fächer im Raum. Dabei hat er die Gäste im Blick und passt Tempo und Intensität an. In vielen Saunaanlagen heißt der Beruf Saunameister. Der Saunameister kümmert sich oft um mehr als den Aufguss, etwa um den Betrieb der Kabinen, die Hygiene und den Ablauf im Saunabereich. Aufgussmeister ist eher der Begriff für das Handwerk am Ofen.
Viele steigen über einen Nebenjob oder ein Hobby ein. Manche machen daraus später ihren Hauptberuf, andere bleiben bei ein paar Aufgüssen pro Woche. Gemeinsam ist allen: Sie haben Spaß daran, anderen einen guten Saunagang zu verschaffen.
2. Den Aufguss planen: Duft, Ablauf, Hitze
Ein guter Aufguss beginnt vor der Kabinentür. Der Aufgussmeister legt fest, welcher Duft passt, wie viele Runden es gibt und wie sich die Hitze steigern soll. Klassisch wird in drei Runden aufgegossen und gewedelt, jeweils wenn die Steine wieder heiß sind. Die Richtlinie des Deutschen Sauna-Bunds sieht für einen klassischen Aufguss 6 bis 10 Minuten vor, höchstens 12.
- Duft: frisch zum Wachwerden, holzig für die Mitte, ruhig für den Abend. Welche Formen es gibt, zeigt der Überblick über Aufgussarten.
- Menge: Das Aufgusskonzentrat kommt verdünnt ins Wasser, nie pur auf die Steine.
- Vorbereitung: Mehrere Düfte rührt man am einfachsten getrennt an, zum Beispiel in einem Aufgussbecher 3er Set für 29,90 Euro.
Zum Ausprobieren neuer Düfte eignet sich ein Set mit vielen kleinen Flaschen, etwa das Probierpaket Duftreise mit 16 Düften für 49,90 Euro. So lernst du die Noten kennen, bevor du sie vor Publikum einsetzt.
3. Wedeltechniken: das Handwerk
Nach dem Aufgießen steigt der Dampf zuerst unter die Decke. Mit dem Wedeln holt der Aufgussmeister die Hitze zu den Gästen. Dafür gibt es eine Reihe klassischer Techniken: Fächeln mit beiden Händen, der Propeller mit längs gefaltetem Tuch, der Helikopter über dem Kopf und das Abschlagen, bei dem die heiße Luft von oben zu den Bänken geholt wird. Dazu kommt der Saunafächer, der viel Luft mit wenig Kraft bewegt.
Die Bewegungen sehen leicht aus, verlangen aber Übung, Kraft in den Schultern und einen sicheren Stand auf nassem Holz. Wie die einzelnen Techniken funktionieren, erklärt Aufguss wedeln: 5 Techniken. Übe jede Bewegung zuerst außerhalb der Kabine, bis das Tuch nicht mehr flattert.
4. Sicherheit und Gäste lesen
Ein Aufgussmeister ist auch für die Menschen in der Kabine verantwortlich. Er sagt den Aufguss an, erklärt kurz den Ablauf und weist darauf hin, dass alle jederzeit gehen dürfen. Während des Aufgusses beobachtet er, wie es den Gästen geht. Wer unruhig wird, rot anläuft oder die Augen schließt und sich festhält, bekommt keine volle Ladung Hitze mehr ab.
- Ruhig und gezielt auf die Steine gießen, nicht auf Holz oder Fühler.
- Den Wedelradius im Blick behalten, damit das Tuch niemanden trifft.
- Bei Menthol und kräftigen Düften sparsam bleiben.
- Nach dem Aufguss auf Abkühlung und Trinken hinweisen.
Gute Aufgussmeister erkennt man daran, dass sich alle in der Kabine wohlfühlen, nicht daran, wer am längsten durchhält.
5. Klassisch, Event oder Wettkampf
Der klassische Aufguss ist ruhig: Wasser mit Duft, wedeln, schwitzen. Beim Showaufguss stehen dagegen Musik, Licht, ein Thema oder eine kleine Geschichte im Mittelpunkt, oft mit aufwendigen Choreografien. Dazwischen gibt es viele Formen, von Meditationsaufgüssen mit Klangschalen bis zum Eisaufguss.
Wer sich mit anderen messen will, kann an Meisterschaften teilnehmen. Über nationale Meisterschaften führt der Weg zur Aufguss-WM, die der Verein Aufguss WM e.V. aus Bielefeld ausrichtet. Eine internationale Jury bewertet dort unter anderem Wedeltechnik, Hitzesteigerung, Düfte, Thema und Showelemente. Daneben gibt es Wettbewerbe für klassische Aufgüsse ohne Kostüme und Requisiten.
6. Wie du es lernst: Kurse und Lehrgänge
Eine feste Berufsausbildung zum Aufgussmeister, wie man sie aus anderen Berufen kennt, gibt es nicht. Gelernt wird in Kursen, in Lehrgängen und vor allem in der Praxis. Mehrere Wege sind üblich:
- Lehrgang beim Verband: Der Deutsche Sauna-Bund bietet einen Lehrgang zum Saunameister mit 78 Stunden an. Die Themen reichen von Physiologie und Hygiene bis zu Aufguss und Wedeltechniken in Theorie und Praxis. Für 2026 waren Termine in Präsenz und ein Online-Termin mit Präsenzphase geplant.
- Kurse in Saunaanlagen und Vereinen: Manche Anlagen und Saunavereine bieten Workshops zu Aufguss und Wedeln an oder arbeiten neue Aufgießer selbst ein.
- Mitlaufen und üben: Viele lernen, indem sie erfahrenen Aufgussmeistern über die Schulter schauen und zuerst einfache Aufgüsse übernehmen.
Termine, Inhalte und Kosten ändern sich. Schau deshalb direkt beim jeweiligen Anbieter nach, bevor du dich anmeldest. Für einen Job in einer Saunaanlage zählt am Ende oft weniger das Zertifikat als die Frage, ob die Gäste nach deinem Aufguss zufrieden aus der Kabine kommen.
7. Üben in der Heimsauna
Die eigene Sauna ist ein guter Ort, um Abläufe zu üben. Hier kannst du Düfte testen, die Menge pro Kelle ausprobieren und an deiner Wedeltechnik feilen, ohne dass zwanzig Menschen zuschauen. Halte dich dabei an die Regeln für kleine Kabinen: weniger Wasser pro Kelle, kürzere Runden und Rücksicht auf alle, die mit dir in der Sauna sitzen. Was zu Hause gilt, steht in 8 Regeln für den Aufguss in der Heimsauna.
Mit einer Saunakelle für 29,90 Euro gießt du gezielt in kleinen Portionen. Probier auch andere Saunakulturen aus. Der dänische Saunagus etwa setzt auf kleine Gruppen, kurze Duftrunden und viel Ruhe, mehr dazu in Sauna in Dänemark.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, Aufgussmeister zu werden?
Das hängt vom Weg ab. Ein Lehrgang wie der des Deutschen Sauna-Bunds umfasst 78 Stunden, Workshops dauern oft nur einen Tag. Sicher wirst du vor allem durch viele Aufgüsse in der Praxis.
Kann man als Aufgussmeister Geld verdienen?
Ja, viele arbeiten angestellt oder auf Minijobbasis in Saunaanlagen, Thermen und Hotels. Wie viel du verdienst, hängt vom Arbeitgeber, der Region und deiner Erfahrung ab.
Brauche ich besondere körperliche Voraussetzungen?
Du solltest die Hitze gut vertragen und genug Kraft für mehrere Wedelrunden haben. Bei Vorerkrankungen klärst du vorher ärztlich ab, ob häufige Aufgüsse für dich passen.
Ob als Hobby in der eigenen Sauna oder als Job in der Therme: Der Weg zum Aufgussmeister führt über viele kleine Aufgüsse. Fang ruhig an, lern von anderen und hab Freude daran, wenn die Gäste nach deinem Aufguss lächelnd in die Kälte gehen.
