Eine rote Raute mit Flamme, daneben ein Ausrufezeichen und ein Satz über allergische Reaktionen: Wer zum ersten Mal die Rückseite seiner Aufgussflasche liest, stutzt oft. Dabei sind diese Angaben kein Urteil über das Saunieren, sondern gesetzliche Pflicht für das unverdünnte Konzentrat. Hier bekommst du Symbol für Symbol erklärt, warum sie dort stehen, was sie für deinen Saunaabend bedeuten und was sich an den Etiketten bis 2028 ändert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die CLP-Verordnung schreibt die Hinweise vor.
- Vier Piktogramme siehst du auf Aufgüssen am häufigsten.
- H317 und EUH208 sind Hinweise für Allergiker.
- H304 betrifft das Verschlucken, nicht den Dampf.
- Alle Angaben gelten für das Konzentrat in der Flasche.
- Die CLP-Novelle bringt neue Etikettregeln ab 2028.
- Kosmetik wird nach eigenen Regeln gekennzeichnet.
- Ein vollständiges Etikett zeigt einen sorgfältigen Hersteller.
1. Die CLP-Verordnung schreibt die Hinweise vor
Grundlage ist die europäische CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008. CLP steht für Classification, Labelling and Packaging, also Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung. Sie setzt das weltweite GHS-System der Vereinten Nationen in der EU um. Für Gemische gilt sie laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seit dem 1. Juni 2015. Ein Aufgusskonzentrat ist genau so ein Gemisch: ätherische Öle oder Duftstoffe, dazu ein Lösungsmittel wie Alkohol oder ein Emulgator, der den Duft im Wasser verteilt. Der Hersteller muss prüfen, ob seine Rezeptur bestimmte Gefahrenkriterien erfüllt, und das Ergebnis auf das Etikett bringen. Dieselben Regeln gelten für Waschmittel, Spezialreiniger oder flüssigen Grillanzünder. Kosmetik ist ein Aufguss übrigens nicht. Die Kosmetikverordnung erfasst nur Mittel, die dazu bestimmt sind, äußerlich mit Haut, Haaren oder Nägeln in Berührung zu kommen. Ein Aufguss dagegen verdampft auf heißen Steinen. Wie das Ritual genau abläuft, liest du in Was ist ein Saunaaufguss?
2. Vier Piktogramme siehst du auf Aufgüssen am häufigsten
Die Gefahrenpiktogramme sind auf der Spitze stehende Rauten mit rotem Rand, schwarzem Symbol und weißem Grund. Dazu kommt ein Signalwort: Achtung steht für weniger schwere, Gefahr für schwerere Gefahren. Auf Aufgusskonzentraten begegnen dir vor allem diese vier:
- Flamme (GHS02): entzündbare Flüssigkeit, bei Aufgüssen meist wegen des Alkohols. Reiner Ethanol hat laut Sicherheitsdatenblatt einen Flammpunkt von 12 °C und trägt H225, Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar.
- Ausrufezeichen (GHS07): etwa für Hautreizung (H315), schwere Augenreizung (H319) oder allergische Hautreaktion (H317).
- Gesundheitsgefahr (GHS08): bei Duftkonzentraten zum Beispiel wegen H304, der Aspirationsgefahr.
- Umwelt (GHS09): Viele ätherische Öle sind giftig für Wasserorganismen.
Diese Kombination ist bei konzentrierten Düften normal. Ein reines Zitronenöl trägt laut Sicherheitsdatenblatt genau diese vier Symbole und das Signalwort Gefahr.
3. H317 und EUH208 sind Hinweise für Allergiker
Manche Duftmoleküle aus der Natur können bei empfindlichen Menschen eine Kontaktallergie auslösen. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nennt als Beispiele Limonen und Linalool, zwei typische Bestandteile von Zitrus- und Lavendelduft. Die CLP-Verordnung arbeitet hier mit zwei Schwellen. Enthält ein Gemisch einen hautsensibilisierenden Stoff ab 1 Prozent, wird das ganze Produkt eingestuft und trägt H317: Kann allergische Hautreaktionen verursachen. Liegt der Anteil darunter, aber bei mindestens 0,1 Prozent, kommt ein Zusatzsatz auf das Etikett, der EUH208. Er lautet: Enthält (Name des Stoffs). Kann allergische Reaktionen hervorrufen. Bei besonders starken Allergenen liegen beide Schwellen zehnmal niedriger. EUH208 ist also kein Warnsignal für alle, sondern ein Service für Menschen, die schon wissen, worauf sie reagieren. Sie finden ihren Auslöser auf einen Blick. Am Ritual ändert der Satz nichts: Das Konzentrat kommt ohnehin nicht auf die Haut, sondern verdünnt auf die Steine.
4. H304 betrifft das Verschlucken, nicht den Dampf
Der Satz H304 klingt am drastischsten: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Gemeint ist die sogenannte Aspiration. Die CLP-Verordnung definiert sie als das Eindringen einer Flüssigkeit über Mund oder Nase oder durch Erbrechen in Luftröhre und Lunge. Betroffen sind dünnflüssige Gemische mit viel Kohlenwasserstoffen wie Limonen, das laut Sicherheitsdatenblatt 50 bis 100 Prozent von Zitronenöl ausmacht. Ein Gemisch wird so eingestuft, wenn es mindestens 10 Prozent solcher Stoffe enthält und bei 40 °C eine kinematische Viskosität von höchstens 20,5 mm²/s hat. Gelangt so eine Flüssigkeit in die Lunge, kann laut BfR eine Lungenentzündung entstehen. Deshalb steht oft P331 auf dem Etikett: KEIN Erbrechen herbeiführen. Mit dem verdünnten Duft in der Kabine hat H304 nichts zu tun.
5. Alle Angaben gelten für das Konzentrat in der Flasche
Die Einstufung beschreibt das Produkt so, wie es in der Flasche ist. Im Kübel verdünnst du das Konzentrat mit reichlich Wasser, und auf den heißen Steinen verdampft diese Mischung. Wer sich an die Dosierung auf dem Etikett hält, nutzt den Aufguss genau so, wie er gedacht ist. Aus den Sicherheitshinweisen, den P-Sätzen, ergeben sich ein paar einfache Regeln:
- Immer ins Wasser geben, nie pur auf Ofen oder Steine.
- Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen (P102). Die Flasche gehört ins obere Regal, nicht neben den Kübel.
- Bei Verschlucken sofort ein Giftinformationszentrum oder eine Ärztin anrufen (P301+P310).
- Kontakt mit den Augen vermeiden. Gerät doch etwas hinein, einige Minuten behutsam mit Wasser spülen.
- Kühl und fern von Zündquellen lagern (P210, P403+P235), also nicht in der heißen Kabine.
Auch das BfR empfiehlt, Produkte mit ätherischen Ölen außer Reichweite von Kindern aufzubewahren und nur stark verdünnt anzuwenden. Was in der Familiensauna sonst wichtig ist, steht in Sauna mit Kindern.
6. Die CLP-Novelle bringt neue Etikettregeln ab 2028
Die EU hat die CLP-Verordnung überarbeitet. Die Änderungsverordnung (EU) 2024/2865 ist am 10. Dezember 2024 in Kraft getreten. Für dich als Käuferin oder Käufer sind vor allem die neuen Etikettregeln interessant. Es gibt erstmals eine Mindestschriftgröße: Bei Verpackungen bis 0,5 Liter müssen die Buchstaben mindestens 1,2 mm hoch sein, bis 3 Liter 1,4 mm. Dazu kommen ein größerer Zeilenabstand sowie Regeln für zusätzliche digitale Etiketten, für Nachfüllstationen und für Gefahrenangaben in Werbung und Onlineshops. Ursprünglich sollten diese Vorgaben ab Mitte 2026 und Anfang 2027 gelten. Mit der sogenannten Stop-the-clock-Verordnung (EU) 2025/2439, veröffentlicht am 3. Dezember 2025, hat die EU sie auf den 1. Januar 2028 verschoben. Unabhängig davon gibt es durch die Verordnung (EU) 2023/707 neue Gefahrenklassen, etwa für hormonell wirksame Stoffe. Sie gelten für neue Gemische seit dem 1. Mai 2026 und für Gemische, die schon vorher im Handel waren, ab dem 1. Mai 2028.
7. Kosmetik wird nach eigenen Regeln gekennzeichnet
Auf Duschgel oder Gesichtscreme suchst du Gefahrensymbole meist vergeblich. Dort stehen Duftstoff-Allergene in der Liste der Inhaltsstoffe. Grundlage ist die EU-Kosmetikverordnung, die mit der Änderungsverordnung (EU) 2023/1545 deutlich erweitert wurde. Bisher mussten 24 Duftstoffe einzeln genannt werden, nun sind es laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mehr als 80. Die Pflicht greift ab 0,001 Prozent in Produkten, die auf der Haut bleiben, und ab 0,01 Prozent in Produkten, die abgespült werden. Seit dem 1. August 2026 müssen neu in Verkehr gebrachte Kosmetika so gekennzeichnet sein. Ware, die vorher auf den Markt kam, darf bis zum 31. Juli 2028 weiter verkauft werden. Für deinen Aufguss gilt diese Liste nicht, weil er keine Kosmetik ist. Sein Etikett folgt der CLP-Logik: Allergene tauchen dort als H317 oder EUH208 auf, sobald die Schwellen erreicht sind.
8. Ein vollständiges Etikett zeigt einen sorgfältigen Hersteller
Ein Etikett mit Symbolen ist kein Makel. Es zeigt, dass der Hersteller seine Rezeptur geprüft, eingestuft und offen gekennzeichnet hat. Darauf kannst du achten:
- Name, Anschrift und Telefonnummer des Herstellers oder Händlers.
- Piktogramme, Signalwort, H-Sätze und P-Sätze.
- Eine klare Dosierangabe für das Aufgusswasser.
Wer mehr wissen will, kann beim Hersteller nach dem Sicherheitsdatenblatt fragen. Worauf es bei Bio Qualität zusätzlich ankommt, liest du in Bio Saunaaufguss: Woran du echte Bio Qualität erkennst.
Häufige Fragen
Ist ein Saunaaufguss mit Gefahrensymbol in der Sauna gefährlich?
Nicht, wenn du ihn nach Anleitung verdünnst. Die Symbole beschreiben das Konzentrat in der Flasche, ähnlich wie bei vielen Reinigern im Haushalt. In der Kabine kommt eine stark verdünnte Mischung als Dampf an.
Warum hat ein Aufguss eine Flamme und ein anderer nicht?
Die Flamme steht für eine entzündbare Flüssigkeit. Bei Aufgüssen liegt das meist am Alkohol, einem bewährten Lösungsmittel, das die ätherischen Öle gleichmäßig im Wasser verteilt. Bei Aufgüssen ohne Alkohol hängt die Einstufung von den übrigen Zutaten ab.
Was bedeutet EUH208 auf dem Etikett?
Der Satz nennt einen Duftstoff, der in geringer Menge enthalten ist und bei bereits sensibilisierten Menschen eine allergische Reaktion auslösen kann. Er hilft Allergikern, ihren Auslöser schnell zu finden. Wenn du weißt, dass du auf diesen Stoff reagierst, wählst du einfach einen anderen Duft.
Unsere Konzentrate findest du in der Kollektion Saunaaufgüsse. Wie viel davon in den Kübel gehört, liest du in Saunaaufguss dosieren: 7 Fehler, die fast jeder macht.
