Schwitzhütte bezeichnet eine niedrige, meist kuppelförmige Hütte, in der viele indigene Völker Nordamerikas eine Zeremonie zur Reinigung und zum Gebet abhalten. Im Inneren wird Wasser auf heiße Steine gegossen. Auf Englisch heißt sie sweat lodge, bei den Lakota Inipi.
Herkunft und Bedeutung
Schwitzhütten sind bei vielen indigenen Gemeinschaften verbreitet, die Formen unterscheiden sich je nach Volk, Ort und Anlass. Laut The Canadian Encyclopedia geht es um die Reinigung von Körper, Geist und Seele, um die Verbindung zum Schöpfer und zur Natur und um Gemeinschaft. Bei den Lakota heißt die Zeremonie Inipi, was nach Angaben des Akta Lakota Museums so viel wie wieder leben bedeutet. Sie zählt zu den sieben heiligen Riten, die Black Elk in dem 1953 erschienenen Buch The Sacred Pipe schildert. In Kanada war die Schwitzhütte bis 1951 durch den Indian Act verboten.
So läuft eine Zeremonie ab
Die Hütte besteht traditionell aus jungen Bäumen oder Weidenruten, früher mit Tierhäuten, heute oft mit Decken und Planen bedeckt. Die Lakota bauen sie aus 16 Weidenruten, der Eingang zeigt nach Osten. Draußen erhitzt ein Feuerhüter die Steine und bringt sie hinein. Eine erfahrene Person, oft eine Älteste oder ein Ältester, leitet Gebete und Gesänge und bestimmt die Dauer, die laut Canadian Encyclopedia oft einige Stunden beträgt. Bei den Lakota wird die Tür viermal geöffnet. Üblich sind Gaben wie Tabak oder Stoff, viele leitende Personen nehmen kein Geld.
Respekt und Sicherheit
Eine Schwitzhütte ist eine spirituelle Zeremonie und keine Sauna im Wellnesssinn. Älteste warnen laut Canadian Encyclopedia vor Menschen, die sich ohne Ausbildung als Heiler ausgeben, und davor, Schwitzhütten als Touristenattraktion zu behandeln. Wie gefährlich falsch geleitete Zeremonien sein können, zeigte 2009 ein kommerzielles Seminar nahe Sedona in Arizona: In einer überfüllten Hütte mit über 50 Menschen starben drei Teilnehmende. Vertreter indigener Nationen kritisierten den Veranstalter scharf. Seriös Leitende achten darauf, dass sich Teilnehmende melden und hinausgehen können, wenn es zu viel wird. Mehr zu Schwitzbädern weltweit liest du in Die Geschichte der Sauna: Von Finnland in die Welt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Schwitzhütte und Sauna?
Beide nutzen Hitze und Dampf von heißen Steinen. Die Schwitzhütte ist aber eine Zeremonie mit Gebeten und festen Regeln, die Sauna dient bei uns vor allem der Erholung.
Dürfen nicht indigene Menschen an einer Schwitzhütte teilnehmen?
Das entscheiden die jeweiligen Gemeinschaften. Laut Canadian Encyclopedia sagen viele, dass Nichtindigene teilnehmen dürfen, wenn sie die Zeremonie verstehen und respektieren.
Verwandte Begriffe: Temazcal, Hamam und Rauchsauna (Savusauna). Alle Begriffe findest du im Sauna-Lexikon.
