Demenz betrifft weltweit über 55 Millionen Menschen - Tendenz steigend. Eine finnische Langzeitstudie liefert einen überraschenden Hinweis: Regelmäßiges Saunieren könnte das Demenzrisiko drastisch senken.
Autor:innen & Beitragsinfo
- Quellen: Laukkanen T et al. (Age Ageing, 2017), Hussain J & Cohen M (Evid Based Complement Alternat Med, 2018)
- Lesedauer: ca. 6 Minuten
- Themen-Tags: Demenz, Alzheimer, Gehirn, Sauna, Neuroprotektion
Die Studie: 65 % weniger Demenzrisiko
Die Daten stammen erneut aus der finnischen KIHD-Studie - diesmal mit Fokus auf die Gehirngesundheit. 2.315 Männer wurden über einen Median von 20,7 Jahren beobachtet.
Das Ergebnis:
- 4-7 Saunagänge pro Woche: 65 % niedrigeres Risiko für Demenz und 66 % niedrigeres Risiko für Alzheimer im Vergleich zu 1x/Woche
- 2-3 Saunagänge pro Woche: 22 % Risikoreduktion
Die Zahlen wurden um bekannte Risikofaktoren bereinigt - also Alter, BMI, Alkoholkonsum, Rauchen, Blutdruck, Diabetes und Cholesterin. Der schützende Effekt der Sauna bestand auch nach dieser Bereinigung.
Warum könnte Sauna das Gehirn schützen?
Die Forscher vermuten mehrere Mechanismen:
1. Bessere Durchblutung: Sauna steigert die Herzleistung und damit die Gehirndurchblutung. Das Gehirn verbraucht etwa 20 % des gesamten Sauerstoffs im Körper - eine gute Durchblutung ist für seine Funktion entscheidend.
2. BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor): Hitze- und Bewegungsreize regen die Produktion von BDNF an - einem Protein, das wie ein Wachstumsfaktor für Nervenzellen wirkt. BDNF fördert die Bildung neuer neuronaler Verbindungen und schützt bestehende Nervenzellen.
3. Hitzeschockproteine: HSP70 und HSP90 (Proteine, die bei Hitzestress aktiviert werden) reparieren beschädigte Proteine im Gehirn. Bei Alzheimer sammeln sich falsch gefaltete Proteine (Amyloid-Plaques) an. Hitzeschockproteine können diese fehlgefalteten Proteine teilweise korrigieren.
4. Entzündungshemmung: Chronische Entzündungen im Gehirn (Neuroinflammation) sind ein Treiber von Demenz. Regelmäßiges Saunieren senkt systemische Entzündungsmarker.
5. Stressreduktion: Chronischer Stress und erhöhtes Cortisol schädigen den Hippocampus (die Gedächtniszentrale des Gehirns). Sauna senkt den Cortisolspiegel und fördert Entspannung.
Einordnung: Keine Garantie, aber ein starkes Signal
Wichtig: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, nicht um ein Experiment. Das heißt, die Studie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Es ist möglich, dass Menschen, die häufig saunieren, generell einen gesünderen Lebensstil führen.
Allerdings: Die Effektgröße ist bemerkenswert (65 % Risikoreduktion), die Studie war groß und langfristig, und die Ergebnisse wurden um zahlreiche Störfaktoren bereinigt. Zusammen mit den bekannten Mechanismen (Durchblutung, BDNF, Entzündungshemmung) ist das ein starkes Signal.
Originalquelle
Laukkanen T, Kunutsor S, Kauhanen J, Laukkanen JA. Sauna bathing is inversely associated with dementia and Alzheimer disease in middle-aged Finnish men. Age Ageing. 2017;46(2):245-249. PMID: 27932366
Disclaimer
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Quelle: Laukkanen T et al. (2017). Sauna bathing is inversely associated with dementia and Alzheimer disease. Age Ageing, 46(2):245-249. PMID: 27932366
