Eine der größten Langzeitstudien zur Sauna zeigt: Wer regelmäßig sauniert, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dramatisch. Die Daten stammen aus Finnland - dem Land, in dem Saunabaden seit Jahrhunderten Tradition hat.
Autor:innen & Beitragsinfo
- Originalautor:innen: Laukkanen JA, Laukkanen T, Kunutsor SK
- Quelle/Journal: JAMA Internal Medicine, Mayo Clinic Proceedings, BMC Medicine
- Veröffentlichungsdatum: 2015 / 2018
- Lesedauer: ca. 6 Minuten
- Themen-Tags: Sauna, Herz-Kreislauf, Longevity, Prävention
Worum geht es?
Die finnische KIHD-Studie (Kuopio Ischämische Heart Disease Risk Factor Study) begleitete 2.315 Männer über einen Median von 20,7 Jahren. Die zentrale Frage: Gibt es einen messbaren Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Saunierens und der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Was wurde gemacht?
- Studiendesign: Langzeit-Beobachtungsstudie
- Teilnehmende: 2.315 Männer, 42-60 Jahre, Ostfinnland
- Untersuchter Faktor: Finnische Trockensauna bei 80-100 °C
- Vergleich: 1x/Woche vs. 2-3x/Woche vs. 4-7x/Woche
- Dauer: Median 20,7 Jahre Nachbeobachtung
- Gemessene Ergebnisse: Plötzlicher Herztod, tödliche KHK, tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gesamtsterblichkeit
Die wichtigsten Ergebnisse
- 4-7 Saunagänge pro Woche senkten das Risiko für plötzlichen Herztod um 63 % (HR 0,37)
- Das Risiko für tödliche koronare Herzkrankheit sank um ca. 48 %
- Das Risiko für tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen sank um ca. 50 %
- Die Gesamtsterblichkeit sank um ca. 40 %
- Längere Sitzungen (> 19 Minuten) brachten zusätzlichen Schutz: 52 % weniger plötzlicher Herztod im Vergleich zu < 11 Minuten
- Der Zusammenhang ist linear (je mehr, desto besser) - mehr Sauna = mehr Schutz
Haupttext
Was macht Saunieren so gut fürs Herz? Die Forschung hat mehrere Mechanismen identifiziert, die zusammenwirken.
Erstens: Gefäßerweiterung. Hitze löst eine thermoregulatorische Reaktion im Hypothalamus aus. Die Blutgefäße weiten sich, die Durchblutung steigt, und der Blutdruck sinkt. Regelmäßige Sauna verbessert die Funktion des Endothels - der inneren Gefäßwand, die für gesunde Arterien entscheidend ist. Stickstoffmonoxid (NO) spielt dabei eine Schlüsselrolle - dieser Botenstoff entspannt die Blutgefäße und senkt so den Blutdruck.
Zweitens: Hitzeschockproteine. Sauna aktiviert Hitzeschockproteine wie HSP70 und HSP90. Das sind körpereigene Schutzproteine, die bei Hitzestress aktiviert werden. HSP90 hilft dem Körper, mehr Stickstoffmonoxid zu produzieren - einen Stoff, der die Blutgefäße entspannt. Das Ergebnis: bessere Gefäßregulation und weniger oxidativer Stress (also weniger Zellschädigung durch aggressive Sauerstoffverbindungen).
Drittens: Das autonome Nervensystem. Während der Sauna steigt die Herzfrequenz ähnlich wie bei moderatem Ausdauertraining. In der Erholungsphase übernimmt dann der Parasympathikus - der „Ruhe-und-Verdauungs"-Modus. Eine Studie mit 93 Teilnehmern zeigte, dass die Herzratenvariabilität (HRV) nach der Sauna deutlich anstieg. HRV misst, wie flexibel das Herz auf Belastung reagiert - ein hoher Wert bedeutet, dass der Körper gut mit Stress umgehen kann. Regelmäßiges Saunieren verschiebt die autonome Balance langfristig in Richtung parasympathischer Dominanz - das heißt, der Ruhemodus des Nervensystems überwiegt langfristig.
Viertens: Entzündungshemmung. In einer Studie an 2.084 Männern hatten diejenigen, die 4-7 Mal pro Woche saunierten, deutlich niedrigere CRP-Werte (1,65 mmol/L) als jene mit nur einer Sitzung pro Woche (2,41 mmol/L). CRP (C-reaktives Protein) ist ein Entzündungsmarker im Blut - je niedriger der Wert, desto weniger stille Entzündungen im Körper.
Fünftens: Hormonelle Effekte. Saunieren kann das Wachstumshormon (HGH) um das 2- bis 16-Fache steigern - je nach Dauer und Protokoll. Beta-Endorphine - körpereigene Glückshormone - steigen ebenfalls, was das typische Wohlgefühl nach der Sauna erklärt.
Eine Folgestudie von 2018, die auch Frauen einschloss (1.688 Teilnehmer, 15 Jahre Follow-up, also Nachbeobachtungszeit), bestätigte: Der Schutzeffekt gilt für beide Geschlechter. Saunafrequenz verbesserte die Vorhersage des Herz-Kreislauf-Risikos über traditionelle Risikofaktoren hinaus.
Das Mayo Clinic Proceedings Review (2018) fasste die Gesamtevidenz zusammen: Saunabaden ist sicher für Patienten mit stabiler Herz-Kreislauf-Erkrankung und mit reduzierten Risiken für Bluthochdruck, Demenz und Atemwegserkrankungen verbunden.
Originalquelle
Laukkanen JA, Khan H, Zaccardi F, Laukkanen T. Association Between Sauna Bathing and Fatal Cardiovascular and All-Cause Mortality Events. JAMA Intern Med. 2015;175(4):542-548. PMID: 25705824
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25705824/
Disclaimer
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Quelle: Laukkanen JA et al. (2015). Association Between Sauna Bathing and Fatal Cardiovascular and All-Cause Mortality Events. JAMA Internal Medicine, 175(4):542-548. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25705824/
