Der Aufguss ist das Herzstück der deutschen Saunakultur. Wenn der Saunameister Wasser auf die heißen Steine gießt und den Dampf kunstvoll durch den Raum fächert, entsteht eine intensive Kombination aus Hitze, Feuchtigkeit und Duft. Doch hinter dem Ritual steckt mehr als Show.
Autor:innen & Beitragsinfo
- Quellen: Deutscher Sauna-Bund e.V., Laukkanen JA et al. (JAMA Internal Medicine, 2015)
- Lesedauer: ca. 6 Minuten
- Themen-Tags: Aufguss, Saunakultur, Saunameister, ätherische Öle
Was beim Aufguss passiert
In einer trockenen finnischen Sauna liegt die Luftfeuchtigkeit bei 10-20 %. Wenn Wasser auf die Saunasteine gegossen wird, steigt sie schlagartig auf 40-60 %. Das verändert die Wärmeübertragung grundlegend: Feuchte Luft leitet Wärme deutlich besser als trockene. Deshalb fühlt sich ein Aufguss so viel heißer an, obwohl die Temperatur auf dem Thermometer kaum steigt.
Der Saunameister fächert den Dampf mit einem großen Handtuch durch den Raum. Diese Wellenbewegungen durchbrechen die sogenannte Grenzschicht - eine dünne Schicht kühlerer Luft, die jeden Körper in der Sauna umgibt. Ohne Fächeln schützt diese Grenzschicht die Haut wie ein unsichtbarer Puffer. Beim Aufguss wird dieser Puffer weggeblasen, und die volle Hitze trifft direkt auf die Haut.
Ätherische Öle und ihre Wirkung
Traditionell werden dem Aufgusswasser ätherische Öle beigemischt. Die beliebtesten und ihre Wirkung:
- Eukalyptus: Öffnet die Atemwege, wirkt schleimlösend. Enthält Eucalyptol (1,8-Cineol), das nachweislich Entzündungen in den Bronchien hemmt
- Minze: Macht wach und erfrischt. Menthol aktiviert Kälterezeptoren in der Haut - deshalb fühlt sich Minze kühl an, obwohl die Sauna heiß ist
- Latschenkiefer: Traditionell alpin, beruhigend für die Atemwege
- Zitrusöle (Orange, Zitrone): Stimmungsaufhellend, belebend. Limonen senkt nachweislich den Cortisolspiegel (das Stresshormon)
- Lavendel: Beruhigend, fördert Entspannung und Schlaf über den GABA-Mechanismus (den wichtigsten beruhigenden Botenstoff im Gehirn)
Wichtig: Ätherische Öle niemals unverdünnt auf die Steine geben. Sie sind brennbar, und Saunaöfen erreichen Temperaturen über 200 °C. Stattdessen: 3-5 Tropfen in einen Eimer Wasser (ca. 500 ml) und diese Lösung aufgießen.
Der Aufguss als Weltmeisterschaft
Seit 2009 gibt es die Aufguss-Weltmeisterschaft - ein Wettbewerb, bei dem Saunameister aus der ganzen Welt ihre Kunst zeigen. Was als kleine Veranstaltung begann, hat sich zu einem internationalen Event mit Zuschauern aus über 30 Nationen entwickelt. Die Bewertung umfasst Technik, Show, Duftkomposition und Publikumswirkung.
Deutschland, die Niederlande und Russland gehören regelmäßig zu den stärksten Nationen. Die Shows dauern 12-15 Minuten und kombinieren Musik, Lichteffekte und aufwendige Fächertechniken.
So machst du einen guten Aufguss zu Hause
1. Saunasteine auf volle Temperatur bringen (mindestens 80 °C)
2. Eiswürfel oder Schneebälle auf die Steine - langsame, gleichmäßige Verdampfung statt schnellem Zischen
3. Alternativ: 500 ml Wasser mit 3-5 Tropfen ätherischem Öl aufgießen
4. Mit einem Handtuch 3-5 Mal kräftig in Richtung der Saunierenden fächern
5. 1-2 Minuten warten, dann einen zweiten Aufguss
6. Traditionell werden 2-3 Aufgüsse pro Sitzung gemacht
Die beste Position zum Fächern: Auf Augenhöhe der sitzenden Saunagäste. Von oben nach unten fächern, damit der heiße Dampf gleichmäßig verteilt wird.
Originalquelle
Deutscher Sauna-Bund e.V. Aufguss-Richtlinien und Qualitätsstandards.
https://www.sauna-bund.de/
Disclaimer
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Quelle: Deutscher Sauna-Bund e.V. Aufguss-Richtlinien. https://www.sauna-bund.de/
